DRAGWALK 2026

Am 10. Mai sind wir mit rund 35 lauten, mutigen und wundervollen Menschen durch Kiel geschritten – beim Dragwalk des CSD Kiel e. V. 
 
Wir sind nicht gelaufen.
Wir sind geschritten.
Mit Haltung. Mit Lippenstift. Mit Herz.
Für Sichtbarkeit, für Selbstbestimmung – gegen Queerfeindlichkeit in jeder Form. 
 
Unsere Botschaft war klar:
Queerphobie ist keine Meinung – Queerphobie ist Gewalt.
Und dieser Dragwalk war kein Kostüm – er war Protest.
Mit jeder Perücke, jedem Heels-Schritt und jeder Pose haben wir Mauern eingerissen: Mauern aus Vorurteilen, aus Hass, aus Angst.
 
Denn während viele von uns tanzen konnten, kämpfen andere täglich ums Überleben.
Auf der Straße. Im Netz. In Schulen. In Familien.
 
Der Hass wird wieder lauter – wir auch.
Denn: Toleranz ist kein Zuhause.
Wir wollen mehr. Wir fordern mehr:
Rechte. Sichtbarkeit. Schutz. Selbstbestimmung.
 
Der 17. Mai – der IDAHOBIT – stand kurz bevor.
Wir wollten sichtbar sein. Laut sein. Bunt sein.
 
Danke an alle, die mit uns gelaufen, geschritten, getanzt und gekämpft haben.
Unser Motto für den CSD Kiel 2026: Sichere Häfen für alle!

Fotos @camera-kink

Rede CSD Kiel e. V. – Dragwalk am 10.05.2026

Diese Welt behauptet noch immer, sie wäre offen.
Und doch stehen sie überall:

Unsichtbare Grenzen.
Gezogene Linien.
Alte Mauern in neuen Farben.

Mauern aus Blicken.
Aus Gesetzen.
Aus Worten, die verletzen – und aus Schweigen, das noch lauter ist.

Aber wir sehen sie.
Und wir bleiben nicht stehen.

Wir kommen näher.
Schritt für Schritt.
In Heels. In Boots. In Glitzer.

Und wir reißen sie ein.

Mit jeder Bewegung.
Mit jedem Blick.
Mit jeder Existenz, die sich nicht versteckt.

Denn was wir heute tun, ist mehr als ein Spaziergang.

Es ist ein Statement.
Ein Aufschrei.
Ein Versprechen.

Während wir hier laufen, steigen die Zahlen.
Angriffe nehmen zu.
Hass wird wieder salonfähig.

Nicht nur im Verborgenen.
Sondern offen. Laut. Politisch.

Und wir spüren es auch hier.
In diesem Land.

Wenn ein Kanzler mehr Menschen verunsichert als schützt.
Wenn Worte fallen, die unsere Sichtbarkeit lächerlich machen.
Wenn das, was uns Sicherheit geben sollte, uns zweifeln lässt.

Dann stimmt etwas nicht.

Denn Sicherheit ist kein Privileg.
Sicherheit ist ein Recht.

Für uns alle.

Für queere Menschen.
Für trans* Personen.
Für jede Identität, die noch immer erklärt, verteidigt oder versteckt werden muss.

Und genau deshalb ist unser Motto in diesem Jahr:

Sichere Häfen für alle.

Ein sicherer Hafen bedeutet:

Ankommen dürfen.
Durchatmen dürfen.
Existieren dürfen – ohne Angst.

Doch die Realität sieht anders aus.

Wenn queere Menschen beleidigt, bedroht, angegriffen werden –
dann ist das kein Einzelfall.

Es ist ein System.

Wenn trans* Menschen ihre Identität ständig rechtfertigen müssen,
wenn ihnen Rechte abgesprochen werden,
wenn ihre Existenz politisch verhandelt wird –

dann ist das keine Debatte.

Dann ist das Gewalt.

Und während sie sagen:
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“

sagen wir: eure Worte haben Konsequenzen. Sie verletzen. Sie entmenschlichen.
Doch – Wir werden leben.
Und wir werden sichtbar bleiben.

Gerade jetzt.

Denn Drag ist nicht nur Kunst.

Drag ist Erinnerung.
An die, die vor uns gekämpft haben.

Drag ist Schutz.
Für die, die sich noch nicht zeigen können.

Drag ist Widerstand.
Gegen eine Welt, die uns zurückdrängen will.

Aber dieser Widerstand gehört uns allen.

Du musst keine Heels tragen,
kein Make-up,
keine Bühne haben.

Deine Existenz reicht.

Ob in Drag oder im Alltag.
Ob laut oder leise.
Ob sichtbar oder noch auf dem Weg dorthin.

Jede queere Identität ist Teil dieses Kampfes.

Und besonders trans* Personen tragen ihn jeden Tag –
oft unter Bedingungen, die wir nicht ignorieren dürfen.

Nicht wir sind die Gefahr.

Die Gefahr ist eine Gesellschaft,
die Vielfalt nur dann akzeptiert,
wenn sie leise ist.

Die Gefahr ist Politik,
die unsere Leben zu Debatten macht.

Die Gefahr ist ein Rechtsruck,
der Menschen gegeneinander ausspielt
und unsere Existenz zur Zielscheibe macht.

Aber wir sind noch hier.

Und wir sind nicht leise.

Wir sind mehr.

Mehr als ihre Vorurteile.
Mehr als ihre Angst.
Mehr als ihr Hass.

Der 17. Mai – IDAHOBIT – erinnert uns daran,
warum wir hier sind.

Aber wir wissen:

Ein Tag reicht nicht.

Denn unser Leben ist kein Aktionstag.

Unser Leben ist jeden Tag.

Und deshalb fordern wir:

Nicht nur Toleranz.

Denn Toleranz bedeutet, dass man uns erträgt.

Wir wollen mehr.

Wir wollen sichere Häfen.

Echte Sicherheit.
Echten Schutz.
Echte Selbstbestimmung.

Und eine Welt,
in der niemand mutig sein muss,
nur um zu existieren.

Also lasst uns heute genau das sein:

Ein sicherer Hafen.

Füreinander.
Miteinander.
Unübersehbar.

Lasst uns laut sein –
für die, die es nicht können.

Lasst uns stark sein –
für die, die es gerade nicht sind.

Lasst uns wütend sein –
wo Wut gebraucht wird.

Und liebevoll –
wo Liebe die stärkste Antwort ist.

Lasst uns laufen.
Lasst uns schreiten.
Lasst uns tanzen.
Lasst uns kämpfen.

Bis aus Mauern endlich Häfen werden.

Bis aus Angst endlich Sicherheit wird.

Und bis niemand mehr erklären muss,
warum er, sie oder they existiert.

Danke, dass ihr hier seid.

Und jetzt:

Lasst uns diesen Raum einnehmen.

Regenbogen-Picknick 2026 –

So schön war unser Tag 🌈

Was für ein Tag!

Bei mäßigem Wetter durften wir rund 150 Teilnehmende auf der Schwanenwegwiese an der Kiellinie – direkt am Wasser begrüßen. Es war ein Nachmittag voller Lachen, Musik und Gemeinschaft – mit bunten Menschen, strahlenden Kindern und einer wunderbaren Atmosphäre.
 
Für musikalische Highlights sorgte @danielhoppenstedt und weitere Unterhaltung bot die erste Kieler Draglympics mit Disziplinen wie Handtaschenweitwurf. Es gab leckere Snacks, Kuchen und Getränke, liebevoll organisierte Aktionen wie Bänder basteln, Glitzer-Tattoos, Outdoor-Spiele und mehr.
 
Ein großes Dankeschön an alle, die da waren – und ganz besonders an alle, die uns mit Spenden unterstützt haben. Ihr helft uns, queere Sichtbarkeit in Kiel weiter bunt und laut zu gestalten! 💖