Forderungen für das Wahljahr und die nächste Legislaturperiode:

 

Die völlige Akzeptanz von Lesben, Schwulen, bi*,trans*, inter* und queeren Menschen LGBTIQ*) haben wir noch lange nicht erreicht. Auch heute gibt es viele Benachteiligungen. Die Ungleichheit im Eherecht, der Adoption, dass Trans* als Krankheit angesehen wird, sind Beispiele.

Auch innerhalb der „Szene“ gibt es Diskriminierungen, z.B. gegen „Tunten“, „Dicke“, „Biker--Lesben“, Geflüchtete etc. Auf die mangelnde Akzeptanz der Vielfalt in der Gesellschaft und der „Szene“ machen wir mit diesem CSD aufmerksam.

Wir fordern eine diskriminierungsfreie Gesellschaft - lasst uns deshalb mit gutem Beispiel vorangehen. Sagt nein! zu Diskriminierung nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch innerhalb der Community!

Deshalb fordern wir:

 • Schnelle Rehabilitierung der Opfer des Unrechtsparagrafen 175

• Öffnung der Ehe und volles Adoptionsrecht

• Überarbeitung des sogenannten „Transsexuellengesetzes“

• Bildungsoffensive in Schule und KiTa

• Anerkennung des Asylgrunds „Verfolgung wegen Geschlecht und Sexualität“

• Queer-gerechte Wohn- und Pflegeangebote im Alter

• Spezielle Angebote für LGBTIQ*Geflüchtete

 

Dazu gibt es nun noch einen Apell vom CSD Vorstand:

Im Mai kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas an, es werde ein Gesetz zur Rehabilitierung der sogenannten 175er geben. Es ist so wichtig, wenn der Staat sagt: „Euch ist Unrecht getan worden“ und die Urteile hoffentlich schnell aufgehoben werden. Zur Erinnerung: Der Paragraph, 1872 eingeführt, wurde von den Nazis verschärft. Entschärft wurde er in den 1960er Jahren, Männer durften ab dann Sex mit Männern haben. Aber das Schutzalter war deutlich strenger als bei heterosexuellen und lesbischen sexuellen Handlungen. Erst 1994 wurde dieser Unrechtsparagraph endgültig abgeschafft. In der DDR geschah das noch in den 1980er Jahren. In den Nachrichten das Leid kürzlich passend umschrieben: „Aus dem KZ in den Knast“. An der Erinnerungstafel in Berlin steht „Totgeschlagen. Totgeschwiegen“. Die zahlreichen zerstörten Biographien wird mensch aber leider nicht mehr heilen können. Immerhin: Die Regierung sendet mit der geplanten Rehabilitierung ein wichtiges Zeichen!

Lesben hatten darunter zu leiden, dass eine selbstbestimmte Sexualität von Frauen lange regelrecht undenkbar war. Lesbisches Leben und Lieben wurde dadurch ebenfalls aus der Gesellschaft gedrängt. Viele sind Ehen eingegangen, um dem gesellschaftlichen Druck aus dem Weg gehen zu können.

Die Zeit der Verbote ist in Deutschland lange her. Die Aufstände in der Christopher Street 1969 gaben der LGBTIQ*-Bewegung einen entscheidenden Schub. In vielen Ländern entstanden Demonstrationen und Organisationen. Verbotenes begann sichtbar zu werden. Nicht nur Lesben, Bisexuelle und Schwule waren an der entstandenen Bewegung beteiligt. Auch Trans*-Personen waren von Anfang an dabei Das wird viel zu schnell übersehen.

Homosexualität ist heute also erlaubt. Schwule Männer sind sichtbar, Bi‘s und Lesben zwar auch, wenn leider nicht in dem Ausmaß wie Schwule. Heute gibt es aber weiterhin enge Normen, Ausgrenzungen und Vorurteile. Dass die Öffnung der Ehe für alle und damit auch das Adoptionsrecht immer noch nicht vollzogen sind, sind Beispiele für rechtliche Benachteiligungen. Auch heute noch müssen Lesben, Schwule, Trans* und andere Menschen für ihre Rechte und Anerkennung streiten.

Trans*-Personen müssen sich mit teuren Gutachten rumschlagen, „Transsexualität“ wird als Krankheit angesehen und nicht als eine Art geschlechtlicher Vielfalt. Krankenkassen bezahlen ihnen zum Beispiel häufig nicht die Leistungen, welche die besten wären. Bis der Name rechtlich geändert werden kann, vergeht in Deutschland zu viel Zeit. Situationen, in denen Trans*-Personen ihren Pass zeigen müssen, führen dann zu ungewollten Outings und unangenehmen Situationen. Dass die entsprechenden Gesetze nicht geändert werden, ist zumindest ein Ausdruck von mangelhaftem Problembewusstsein der Politik. Andere Länder wie Argentinien zeigen, dass es auch anders geht.

Es gibt also in der Gesellschaft in weiten Teilen einen Zustand, in dem man uns leben lässt. Der zwar Probleme aufweist, aber immerhin: Wir dürfen in (fast) allen Bereichen, leben, wie wir wollen. Aber oft gibt es die Haltung, dass es weniger wertvoll ist. Beleidigungen haben die meisten von uns doch sicherlich erfahren, abwertende Blicke kennen wir auch. Von den Fragen: „Wer bei Euch ist denn Mann oder Frau“ oder „Ist es vielleicht doch nur eine Phase?“ mal abgesehen.

Diese Situationen nerven, sind stetige kleine Stiche ins Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Sie können aber auch aus Unwissenheit resultieren und zeigen, dass Menschen neugierig sind, ohne einen abwertenden Hintergedanken. Wie gehen wir aber damit um, wenn eine dämliche, undurchdachte aber neugierige Frage kommt? Wenn es unser Ziel ist, in einer akzeptierenden

Gesellschaft zu leben, dann kommen wir nicht umhin, Menschen aufzuklären, was es bedeutet, nicht cis- und/oder nicht heterosexuell zu sein und zu leben. Auch wenn es nervt.

Das ist ein Aspekt, wie ich das Motto „Wer Toleranz pflanzt, erntet Akzeptanz“ verstehe. Es braucht Kontakt und Neugier, damit Menschen erfahren können, dass es gut ist, dass die Welt auch auf Geschlecht und Sexualität bezogen bunt ist. Kein noch so gut gemeintes Bild in den Medien kann es ersetzen, wenn Menschen neugierig auf andere Menschen sind.

Und ja, es gibt Orte und Situationen, in denen wir akzeptiert werden. Das sind zumeist die selbst eroberten und durch uns gestalteten Orte, wie die „Szene“, Vereine, Gruppen, Freundeskreise, Familien usw. Hier dürfen wir so sein, leben und lieben, wie wir sind. Und dort wird es wertgeschätzt, dass wir nicht das hetero-normale Leben führen.

Gern würde ich hier ein rosarotes und regenbogenfarbenes Bild voller Glück beschreiben. Aber leider ist es doch bei „uns“ auch nicht immer gut. Viel zu oft ist zu lesen oder zu hören, dass Dicke oder Tunten nicht willkommen sind. Schönheitsideale machen auch vor uns nicht halt. Wer darf eigentlich bestimmen, welches Körpergewicht es braucht, um als attraktiv zu gelten?

Einige lassen zum Beispiel gegenüber Trans*-Menschen abwertende Kommentare fallen. Andere finden es beschämend, wenn DragQueens/-Kings oder Tunten auf dem CSD zu sehen sind. Und im letzten Jahr sind viele Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns gekommen und dies wird auch weiterhin so sein. Sehen wir in ihnen eine Bedrohung oder vielleicht Menschen, die auch Ausgrenzungen erfahren haben? Wenn ja, dann verbindet uns LGBTIQ*-Menschen mehr mit Migrant*innen als uns trennt. Doch mit Beschämung muss man feststellen, dass finstere Ressentiments gegenüber Geflüchteten und Migrant*innen auch in der „Community“ verbreitet sind. Dabei müssten gerade wir es doch besser wissen. Akzeptanz darf nicht an der eigenen queeren Nasenspitze enden! Da unter diesen Geflüchteten auch LGBTIQ*-Personen sind, ist es umso wichtiger, dass auch von aus unseren queeren Gruppen und der Gesellschaft eine Offenheit ausgeht.

Auch die queere Welt ist vielfältig und das sollten wir eigentlich doch auch gut finden. Vielleicht wird es mit einer akzeptierenden Gesellschaft dann auch etwas leichter, wenn wir unsere Vielfalt noch breiter auffassen. Die Institutionen lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren* Lebens sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen – und ganz deutlich: ja, die Mehrheitsgesellschaft sollte mitmarschieren! Das ist in Zeiten von Pegida, AfD usw. wichtiger denn je. Und dafür braucht es uns alle. Auf den CSDs, und im Alltag. Egal ob dick, dünn, gesund, mit einer Behinderung, alt oder jung, migrationserfahren, cis oder trans*…

Demonstriert, feiert, seid fröhlich, engagiert und offen!!!

Daniel Peters

CSD Kiel e.V.