Schirmfrau

Liebe Alle,

 

ich freue mich, den diesjährigen CSD Kiel als Schirmherrin unterstützen zu dürfen. In meiner Funktion als Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes stelle ich noch immer täglich fest, dass auch nach entscheidenden Ereignissen in jüngster Vergangenheit, ich denke da insbesondere an die Öffnung der Ehe für alle und den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts im November letzten Jahres zur dritten Option, weiterhin viele Probleme im Bereich der LGBTTIQ*-Community bestehen. Diskriminierungen von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität sind leider weiterhin ein Alltagsproblem. Wieso interessiert es noch immer Arbeitgeber*innen, Behörden und Unternehmen, wen man liebt oder wie man sich fühlt? Wieso ist es so schwer, in Stellenanzeigen einfach ein „d“ für „Divers“ mit aufzunehmen oder homophobe Sprüche im Betrieb zu unterbinden?

 

Allzu leicht werden diese Probleme lapidar mit „Gender-Gaga“ oder „Probleme von Minderheiten“ abgetan. Hierbei wird aber verkannt, dass Betroffene unter diesen Ausgrenzungen ganz massiv leiden, wenn sie diesen Umgang nicht inzwischen einfach hinnehmen, weil sie es nicht anders kennen. Das dürfen wir nicht zulassen! Niemand muss ertragen, benachteiligt und diskriminiert zu werden, nur weil seine*ihre Probleme von bestimmten Kreisen als „lächerlich“ oder unbedeutend eingestuft werden.  

 

In letzter Zeit häuften sich die Beratungsanfragen zu den Themen Trans* und Intergeschlechtlichkeit. Es ging um Unisextoiletten, um Zugang zu Fitnessstudios für ein bestimmtes Geschlecht, um Kleiderordnungen in Schwimmbädern, um Namensänderungen bei Telefonverträgen und um Probleme mit Krankenversicherungen. In vielen Bereichen haben ich und meine Mitarbeiter*innen erkannt, dass bei einem Großteil der Gesellschaft noch ein ganz großes Wissensdefizit besteht, wofür LGBTTIQ* eigentlich steht. Genau hier müssen wir ansetzen. Eben diese Veranstaltungen wie die Christopher-Street-Days und Rainbow Walks, die immer größer werden und auch immer mehr Gegenstand medialer Berichterstattung sind, sind so unglaublich wichtig, den Menschen, die aus welchem Grund auch immer, Berührungsängste haben, zu informieren und deutlich zu machen: Wir sind Vielfalt. Wir stehen für unsere Rechte ein! Wir sind offen für Euch, sprecht mit uns, feiert mit uns!

 

Jedes Jahr beteiligen sich immer mehr Unternehmen und teilweise auch Behörden bei den über das ganze Jahr verteilten Veranstaltungen und machen deutlich: Wir gehören dazu, wir sind Viele. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen wird und auch in den Köpfen der Ewiggestrigen etwas geschieht. Es darf einfach keine Rolle mehr spielen, welche sexuelle Orientierung man hat. Und es darf auch keine Fremdbestimmung geben, zu welchem Geschlecht ich gehöre. Es ist allein meine Entscheidung! Wir brauchen daher auch dringend eine Reform der bestehenden Gesetze: Weg mit dem Transsexuellengesetz (TSG), her mit einem Geschlechtsidentitätsgesetz, das alle respektiert und schützt.

 

In diesem Sinne freue ich mich auf eine tolle Veranstaltung und bedanke mich bei allen Unterstützer*innen des CSD Kiel für ihre engagierte Arbeit im Rahmen der monatelangen Vorbereitung und Planung dieses Festes der Vielfalt. 

 

Samiah El Samadoni

 

Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten und

 

Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes Schleswig-Holstein