Bedingungslos - Familie geht auch anders!

Mit der Öffnung der Ehe für alle im Oktober 2017 gab es einen großen Schritt nach vorne auf dem Weg der Gleichberechtigung der queeren Gemeinschaft in Deutschland. Trotz vieler Stimmen, die meinen, dass damit alles getan sei, finden sich in der deutschen Gesetzgebung immer noch viele Punkte, die vor allem Regenbogenfamilien diskriminieren.

Konservative Strömungen in Deutschland sehen Familie immer noch als eine Konstellation, die nur aus einer Mutter, einem Vater und einer beliebigen Anzahl aus Kindern besteht. Doch die Familienlandschaft in Deutschland ist bunter geworden und hat sich in den letzten Jahrzenten gewandelt. Mütterfamilien, Väterfamilien, oder Familien in denen mindesten ein Elternteil eine Transbiographie hat, nehmen an Häufigkeit zu.

Wenn sich queere Menschen dazu entscheiden eine Familie zu gründen, stehen sie meist aber vor extremgroßen Hürden, den heteronormative Familien nicht ausgesetzt sind. Dafür sorgt in vielen Fällen das in Deutschland geltende Abstammungsrecht.

In Bezug auf die Elternschaft von Regenbogenfamilien besteht bisher noch eine abstammungsrechtliche Ungleichbehandlung von Mütter- und Väterpaaren gegenüber heterosexuellen Elternpaaren: Ist ein Mann zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet, wird er automatisch rechtlicher Vater des Kindes. Dies gilt auch dann, wenn das Kind mithilfe einer Samenspende von einer Samenbank gezeugt wurde. Für eine Frau, die zum Zeitpunkt der Geburt eines Kindes mit dessen Mutter verheiratet ist, gilt diese Regelung nicht. 

Unverheiratete heterosexuelle Paare haben die Möglichkeit, ein Kind bereits vor der Geburt als rechtliches Kind anzuerkennen. Anderen, wie zum Beispiel gleichgeschlechtlichen Paaren, steht diese Option bisher nicht offen.

Die Ungleichbehandlung sorgt in vielen Fällen dafür, dass in Deutschland ansässige Samenbanken die Behandlung von lesbischen Paaren verweigern. Ihre Argumentation:  Weil der soziale Elternteil nicht automatisch auch als zweiter rechtlicher Elternteil anerkannt wird, sind die Kinder zum Zeitpunkt der Geburt nicht doppelt rechtlich abgesichert.

Dies sorgt dafür, dass viele Paare den Samenbanken im Ausland aufsuchen müssen.

Auch wenn es mit einer Schwangerschaft geklappt hat, müssen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland nach wie vor den Weg über eine Stiefkind-Adoption gehen, wenn beide rechtliche Eltern werden wollen – auch wenn das gemeinsame Wunschkind in der Partnerschaft geboren wurde. Eine Stiefkind-Adoption bedeutet für Familien aufgrund der damit verbundenen Prüfungen des Jugendamts und der Gerichteteilweise einen Bewährungsdruck.

Eltern Transbiographie werden vom Gesetz bisher nicht richtig erfasst: Auch nach einer Personenstandsänderung werden sie derzeit mit dem bei ihrer Geburt eingetragenen Geschlecht und Vornamen in die Geburtsurkunde ihres Kindes eingetragen.

Durch die mögliche Eintragung von nur zwei Erziehungssorgeberechtigten Personen wird auch die Gründung von Familien mit mehr als zwei Elternteilen erschwert. Sogenannte Co-Elternschaften, in denen sich beispielsweise ein lesbisches und ein schwules Paar dazu entscheiden Kinder zu bekommen, stehen vor der gesetzlichen Hürde zu entscheiden, welche Personen die volle Sorge für das Kind erhalten. In anderen Ländern wie bspw. Großbritannien besteht mittlerweile die Möglichkeit, nach der Geburt des Kindes bis zu drei Personensorgeberechtigte einzutragen.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ein großer Wandel in der gesamten Welt im Gange ist, leider nicht nur zum Positiven. In Ländern wie Ungarn, Polen und Tschechien werden Menschen der LSBTIQ+ Community vermehrt stark diskriminiert und dies nicht nur durch einen Teil der Gesellschaft, sondern auch von den machthabenden Regierungen.

Wir fordern deshalb von der deutschen Bevölkerung aufzustehen und ein klares Zeichen gegen queerfeindliches Verhalten, Auftreten und Gesetzgebung zu setzen. Die Menschheit ist bunt und divers. Dies sollte sich auf allen Ebenen widerspiegeln: In der Überarbeitung von Schul- und Aufklärungsmaterialien, die immer noch nicht die gesamte Diversität zeigen sowie in der Überarbeitung von Gesetzen, die uns nur vorgaukeln wollen, in einer vollkommen gleichberechtigten Gesellschaft zu leben. Zeigt Flagge und seid dabei, wenn wir am 10.07.2021 in Kiel auf die Straße gehen, um den Menschen zu zeigen das wir 52 Jahre nach Stone wall immer noch nicht fertig sind!